Holunder – du hochgelobtes Wunder

Seit Beginn der Menschheit bist Du mit uns verbunden
und hast immer in der Nähe unserer Häuser Deinen Platz gefunden.
Unsere Ahnen haben Deine Magie gespürt
und eine tiefe Beziehung mit Dir geführt.

 

Das Vertrauen der frühen Menschen in Dich war groß
denn sie spürten Deine Kraft und die ist famos.
So kamen die Menschen zu Dir und haben ihr Leid geklagt
und Dich um Heilung ihrer Krankheit gefragt.

 
Holunderstrauch

 

„Guten Tag, Flieder,
ich bring dir mein Fieber.“
Du hast diese Bitte vernommen
und die Krankheit der Menschen in Dich aufgenommen.

 

Du nimmst Negatives an
und leitest es in die Erde fortan.
Diese Kraft, die alles nach unten zieht
ist der Beweis, dass in Dir die Erdgöttin Holle regiert.

 

Durch Dich haben wir Menschen den Zugang zu ihr bekommen.
Wer unter Dir meditiert fühlt sich danach wie benommen.
Die Holle hütet die Samen der Erde und die Seelen der Verstorbenen;
und erweckt sie später zu Lebenden.

 

Das Werden und Vergehen
diese Symbolik lässt sich auch in Dir Holunder sehen.
Du bist der Baum des Lebens, des Todes und der Liebe.
Diese Dreifachheit ergibt im Sinn
die Ganzheit.

 

Die Liebe ist die Kraft,
die Werden und Vergehen erst möglich macht.
So haben junge Mädchen den Holunder für Liebesgeschichten benutzt
und nicht selten dafür außergewöhnliche Rituale genutzt.

 

Zur Wintersonnenwende wurde der Holunder geschüttelt.
Haben sie darauf ein Bellen eines Hundes vernommen
ist ihr Geliebter mit großer Wahrscheinlichkeit aus dieser Richtung gekommen.
Auch wurde der Holunder als Geburtsbaum verehrt,
denn Gnade und Güte bei einer Geburt ist niemals verkehrt.

 
Holunderblüten

 

Die Blüten des Holunders strahlen im Frühsommer – sie sind voll Leichtigkeit.
Sie stärken unser Immunsystem – das ist die Lebendigkeit.
Für das einfache Volk waren sie ein Heilmittel erster Wahl,
wenn Infekte, Viren und Co für den Menschen waren reinste Qual.

 

Ganz anders sind Blatt und Rinde.
Sie haben etwas Schweres im Sinne.
Sowohl die Rinde als auch das Blatt
halten uns mit Durchfall und Erbrechen auf Trapp.

 

Der Sinn dahinter lässt sich so verstehen,
dass die Krankheit durch diese Reinigung kann vergehen.
Die Blätter werden also nicht als Nahrung zugeführt,
sondern zu einer Salbe eingerührt.
Diese hilft dann gut,
wenn Verletzungen wie Prellung oder Quetschungen schmerzen tut.

 

Im Herbst hängen schwarze Beeren schwer an deinem Ast.
Das Besondere an dem Beerensaft
ist seine Beerenkraft.
Zum einen stärkt das Mus das Immunsystem,
zum anderen lässt es Nervenschmerzen rasch vergehen.
Die Verdauungstätigkeit wird angeregt,
damit Verdauungsträgheit rasch vergeht.

 

Die Beeren haben trotz der Güte
nicht nur Tugend wie die Blüte.
Zuviel der Frucht in roher Form
erzeugt Erbrechen enorm.

 

Lieber Holunder,
viel zu viel habe ich von Dir gelesen,
doch weiß ich nichts von deinem Wesen.
Deshalb will heute ich zu Dir gehen,
um all diese Dinge zu verstehen.

 

Der süßlich frische Duft Deiner Blüten lädt mich ein,
ganz nah bei Dir zu sein.

 

Ich erfreue mich an dem Wind,
der Dein Blütenkleid erfasst geschwind.
Rhythmisch bewegt er es hin und her,
wie ein Segelboot am offenen Meer.

In dieser harmonischen Bewegung kann ich etwas erkennen,
ich möchte es Biegsamkeit nennen.

 
Holunder am Fluss

 

Es ist die Flexibilität, die wir von Dir lernen,
um uns aus der Starre zu entfernen.
Du lässt uns Krankheit richtig spüren
und uns auf den richtigen Weg führen.
Von Dir können wir lernen,
dass uns Krankheit reifen lässt,
anstatt sie zu Verteufeln wie die Pest.

 

Dein Holz, Holunder, ist voll Trockenheit
diese Signatur gibt mir folgende Wahrheit:
Übermäßige Feuchtigkeit in der Lunge oder Nase
trocknest du in dieser Phase.
Auch wenn Schweiß wird zum Problem,
kann er durch Dich, Holunder, schnell vergehen.

 

Außerdem habe ich bemerkt,
dass so mancher als Spielgefährte mit Dir verkehrt.
Aus deinem Holz kann man Flöten machen
das lässt die Kinder herzhaft lachen.
Diese Verspieltheit lässt mich denken,
dass wir besonders bei Kinderkrankheiten
unsere Gedanken auf Dich lenken.

 

Ich kann jetzt gut verstehen,
warum der Holunder bei den Menschen wurde als etwas Großes angesehen.
So wurde er mit großem Respekt behandelt.
Niemals wurde sein Holz einfach geschnitten,
die Menschen wollten davor um seine Erlaubnis bitten.
Keiner schritt unbeachtet an ihm vorbei.
Ja man zog sogar vor ihm den Hut.
Denn diese Ehrfurcht tat den Menschen sehr sehr gut.

 

Christine Wagner, Lilienfeld 2014

Dies ist nur ein Gravatar

Über Christine Wagner

Christine ist Inhaberin der Heil- und Gewürzmanufaktur "Heile Welt" in Lilienfeld. Ein besonderes Anliegen ist ihr der Naturschutz, den sie mit ihren Produkten und deren Verpackung konsequent betreibt. Ihr Heilpflanzengarten wird nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. Ihr Wissen als Phytopraktikerin gibt sie in Seminaren und im Rahmen naturkundlicher Beratung weiter.

Alle Artikel von anschauen.

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.

Hinterlasse einen Kommentar