Kräuterwanderung zum Geisbühel

Ausgangspunkt unserer Kräuterwanderung auf den Geißbühel ist ein schmaler Wirtschaftsweg, knappe 5 Autominuten von Tradigist entfernt. Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt staune ich wieder einmal, wie schnell mich die Landschaft in Urlaubsstimmung versetzen kann! Die Hügel um mich herum werden immer höher.

 

Der Geißbühel gehört mit seinen 849 Metern schon zu den Türnitzer Alpen. Mich erwartet ein Tag voller Naturerfahrungen. Wunderbare Ausblicke auf  die umliegenden Berge wechseln sich ab mit Wiesen, Wäldern und Wegen, an denen Pflanzenschönheiten zu finden sind.

 

Eisenkraut

Das Eisenkraut – auf dem Weg zum Geisbühel

 

Der Odermennig

Eine der ersten Pflanzen, die wir auf unserem Weg bewundern, ist der Odermennig.

 

Odermennig

Odermennig – der Alleskönner

 

Der Odermennig wird auch als König aller Heilpflanzen bezeichnet. In seiner Heilwirkung ist das blühende Kraut ein wahrer Alleskönner. Bei Leber- und Gallenbeschwerden, bei Husten, Schnupfen, Halsweh und bei Magen- und Darmerkrankungen kann ein Tee Linderung verschaffen.

 

Außerdem ist er eine der Bachblüten. Agrimony ist die Blüte der Ehrlichkeit. Sie führt von der scheinbaren Harmonie zum wirklichen, inneren Frieden. Sie gehört zu Menschen, die sich gerne ablenken, um sich nicht mit Disharmonien und Streit abgeben zu müssen.

 

Die Goldrute

Goldrute

Heimische Goldrute

 

Die Goldrute ist eine Spezialistin im Pflanzenreich. Bei Nieren- und Blasenerkrankungen ist sie das Kraut der Wahl. Neben der heimischen Goldrute (Solidago virgaurea) gibt es auch die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis). Mit ihrer Heilkraft übersteigt die heimische Goldrute jedoch die Kanadische.

 

Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Saponine in der Goldrute das Wachstum von Blasensteinen hemmen. Sie ist wassertreibend und schleimlösend. Das Kraut ist auch eine gute Beigabe zum Rheumatee.

 

Das Hexenkraut

Das Hexenkraut

Hexenkraut – Circaea lutetiana

 

Schon der Name entführt einen in das Reich der Magie – und der Fantasie. Wir finden die Pflanze im schattigen Wald. Spontan fällt mir dazu das Märchen von Hänsel und Gretel ein, die sich im Wald verirren und auf die Hexe treffen. Und so wird auch behauptet: Wer früher Hexenkraut fand, war so verwirrt, dass er nicht mehr heim fand. Dabei haben die zarten Blüten für mich eher etwas feenhaftes an sich.

 

In der Volksmedizin ist das Hexenkraut unbekannt. Unsere Kräuterführerin Christine Konlechner erzählt, dass es in der Homöopathie von Bedeutung ist.

 

Naschen in der Natur

Zwischendurch naschen wir immer mal wieder von den Walderdbeeren und Himbeeren, an denen wir vorüber kommen. Auch vor den Samen der Brennnessel, die übrigens nicht brennen, machen wir nicht halt. Ab in den Mund damit. Die sind so gesund!

 

Brennnessel

Brennnessel mit Samen

 

Die Brombeeren brauchen noch ein wenig Zeit, bis sie reif sind. Die Brombeerblätter hingegen können jetzt schon verwendet werden. Abgesehen davon, dass sie ein prima Füllkraut im Tee abgeben, kräftigen sie wie die Früchte das Bindegewebe und sind auch bei Entzündungen der Schleimhäute in Mund und Rachen hilfreich. Ein Kräutertee für alle Gelegenheiten ist eine Mischung aus Brombeerblättern, Himbeerblättern und der gerade benötigten Heilpflanze.

 

Brombeeren

Brombeerblüten

 

Die Kohldistel

Die Kohldistel

Die Blütenstände der Kohldistel

 

Die Kohldistel ist in erster Linie in der Wildkräuterküche interessant. Die jungen, zarten Blätter der Kohldistel sind als Wildgemüse sehr schmackhaft. Man sollte jedoch nicht zu viel davon essen, sondern sie mit anderen Pflanzen mischen.

 

Das Eisenkraut

Ein weiterer Schatz auf unserem Weg ist das Eisenkraut, das ganz in der Nähe der Josef-Franz Hütte, dem Ziel unserer Wanderung, wächst.

 

Eisenkraut

 

Das Eisenkraut – ein ganz besonderer Helfer

 

Eisenkraut wirkt unterstützend bei sehr vielen Beschwerden. So wird es in der Naturheilkunde zur Reinigung von Leber, Milz und Nieren eingesetzt. Es hilft bei Migräne, Nervenschmerzen, Gicht, Husten und Schlaflosigkeit. Generell hat es eine kräftigende Wirkung.

 

In unserer Gegend ist es eher selten. Umso mehr haben wir uns gefreut, dieses tolle Kraut auf unserer Wanderung zu finden.

 

An der Josef-Franz Hütte am Geisbühel

Nach spannenden 3 1/2 Stunden haben wir unser Ziel erreicht: Die Josef-Franz Hütte am Geisbühel. Nach einer Stärkung mit Eierspeis, verfeinert mit selbst gesammelten Kräutern wie dem heimischem Majoran (Dost), genießen wir auch die Aussicht in Richtung Norden. Der Blick reicht fast bis ins Waldviertel.

 

Während wir uns über die Aussicht freuen, fällt uns noch eine weitere Pflanze ins Auge: Die Tollkirsche.

 

Tollkirsche

Die Tollkirsche (Atropa belladonna) – sehr giftig!

 

„Wer mehr als neun Tollkirschen ißt, verliert den Verstand“ (aus: Thorbeckes magischer Kräutergarten)

 

Die Tollkirsche war im Mittelalter Bestandteil der sogennanten „Flugsalbe“, die z.B. in die sensible Armbeuge eingerieben wurde und es den Verwendern ermöglichte, mit der Anderswelt in Kontakt zu treten. Alle Teile der Pflanze sind sehr giftig!

 

Belladonna ist heutzutage ein homöopathisches Mittel, das besonders bei Erkältungskrankheiten und Infekten, aber auch bei neuralgischen Schmerzen eingesetzt wird.

 

Nun wird es langsam Zeit, zurückzugehen. Das Wetter hat zum Glück gehalten. Die dunklen Wolken am Himmel haben nur einen ganz kurzen Schauer gebracht, der schnell wieder von Sonnenschein abgelöst wurde.

 

Wanderkarte Pielachtal

Wandern im Pielachtal

 

 

Ich weiß, dass ich schon bald wiederkommen werde!

 

 

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Über Susanne Nast

Susanne ist Heilpädagogin und Webdesignerin. Ihrer Begeisterung für Wild- und Heilkräuter folgend hat sie 2014 die Website „Der Kräuterzirkel“ entwickelt.
Dort können Kräuterkundige mit kleinen Unternehmen auf ihr Angebot aufmerksam machen und ihr Wissen weitergeben.

Alle Artikel von anschauen.

Kommentare

  1. Sarah Triml

    12. Juli 2014

    Liebe Susanne!
    Ich bin durch die Info im Gemeindekurier auf deine Seite hier aufmerksam geworden und bin begeistert. Toll finde ich, wie du dein Wissen mit ein bisschen Historischem mischt und sogar noch in eine nette Geschichte „einpackst“!

    Alles Liebe,
    Sarah, die jetzt hin und wieder hier her schauen wird 😉

     

  2. Susanne

    16. Juli 2014

    Liebe Sarah,
    das freut mich sehr, dass dir die Artikel gefallen. Ich wünsche dir noch viel Spaß auf dieser Seite.
    Alles Liebe,
    Susanne

     

  3. Annerose Sauer

    23. Juli 2014

    Hallo Susanne,
    die Idee mit dem Memorie für Kinder ist wirklich sehr gut. Was kosten deine Memories? Ich würde sie gerne Kindern schencken. Auf diese Weise finden sie vielleicht Gefallen an der Natur.

    LG
    Annerose

     

  4. Susanne

    24. Juli 2014

    Liebe Annerose,
    es freut mich sehr, dass dir mein Kräuter-Memorie aus dem Beitrag „Kräuterwissen für Kinder: das Kräutermemorie“ gefällt.
    Du darfst dir die einzelnen PDF-Dateien mit den Kräuterkarten gerne kostenlos herunterladen und ausdrucken.
    Du kannst die einzelnen Karten dann auf Karton aufkleben und z.B. laminieren, damit sie länger halten.
    Ich verkaufe die Karten nicht als Memorie, aber die Idee ist gut! Vielleicht werde ich sie einmal aufgreifen.
    Ich wünsche dir viel Spaß beim Spielen mit deinen Kindern.
    Liebe Grüße,
    Susanne

     

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