Wie du Wildkräuter sicher bestimmen kannst

Zeitungsartikel über Menschen, deren Sammellust ein tödliches Ende fand, weil sie das falsche Kraut gegessen haben, liest man immer wieder.

Halten sie dich davon ab, selbst Wildkräuter zu sammeln?

 

Mir ging es tatsächlich lange so. Und immer wieder kommt es vor, dass ich mich verunsichern lasse. „Was, du gehst Bärlauch sammeln?“ meint da mein besorgter Bekannter. „Pass bloß auf, dass du das richtige Kraut erwischst und komm heil wieder!“.

 

Und schon ist es vorbei mit meiner Sicherheit. Soll ich mich jetzt wirklich trauen, Bärlauch zu sammeln? Eigentlich habe ich ja gehört, dass Maiglöckchen und Bärlauch nicht nebeneinander wachsen, aber sicher bin ich mir nicht. Und was ist mit der Herbstzeitlosen? Bärlauch und Herbstzeitlose wachsen nämlich tatsächlich eng nebeneinander, wie man auf dem Foto sieht.

Bärlauch und Herbstzeitlose im Vergleich

Die Abbildungen in den Wildkräuterbüchern zeigen ja meist nur einzelne Fotos der Pflanzen und zwei Wochen später sieht die Pflanze schon wieder ganz anders aus.

Was habe ich also bei besagter Wanderung gemacht? Ich habe gerochen! Fast an jedem Blatt, das ich gepflückt habe. Denn Bärlauch riecht intensiv nach Knoblauch.

 

Eine Kräuterwanderung unter geschulter Führung

Und nun wollte ich´s wissen. Bärlauch kann ich ja schon am Geruch erkennen. Aber wie sieht es mit den vielen anderen Kräutern aus, die ich auch sammeln möchte?

Ich habe mich einer Kräuterwanderung mit Kräuterpädagogin Ulrike Schnetzinger angeschlossen und dabei viel Interessantes erfahren dürfen.

Gerade in Bezug darauf, Kräuter sicher zu bestimmen, hat Ulrike einen sehr guten Tipp parat. – Sozusagen Ulrikes magische drei Worte, wenn es um die Identifizierung von Kräutern geht:

„Bücken, reiben, riechen“

So einfach ist das. Durch das Reiben wird die Zellstruktur der Pflanze aufgebrochen und das enthaltene ätherische Öl kann austreten. Der Geruch wird dadurch noch intensiver.

Jede Pflanze riecht auf ihre Art einzigartig und unverwechselbar.

 

Die Nase im Blickpunkt der Wissenschaft

Ein Zufall? Am Tag nach meiner Kräuterwanderung stand ein passender Artikel über unser Riechorgan in der Tageszeitung. Unter der Überschrift:“Die Nase übertrifft Auge und Ohr“ wurde der Leser aufgeklärt, dass die menschliche Nase mehr als eine Billion Düfte unterscheiden kann. Sie hat rund 400 Geruchsrezeptoren und ist damit wesentlich besser als das Auge in der Lage, Unterschiede warhzunehmen.
Im menschlichen Auge arbeiten drei Lichtrezeptoren zusammen, um bis zu zehn Millionen Farben sehen zu können. Die Nase kann also mit ihren 400 Geruchsrezeptoren höchstwahrscheinlich um das 133-fache mehr unterscheiden als die Augen.

Wildkräuter lassen sich daher am Geruch viel besser unterscheiden als rein optisch!

Wenn du jetzt noch zweifelst, ob es dir wirklich gelingt, Pflanzen an ihrem Geruch zu erkennen, hier noch ein Tipp: den Geruchssinn kann man trainieren.

 

Wildkräuter sicher bestimmen in 6 Schritten:

  1. Lerne bei einer geführten Wildkräuterwanderung verschiedene Kräuter kennen.
  2. Präge dir ihren Geruch ein.
  3. Habe Geduld mit dir. Es reicht, wenn du dir den Geruch von 3 Wildkräutern bei einer Wanderung einprägen kannst.
  4. Trainiere deine Nase täglich.
  5. Nutze alle deine Sinne. Um dir ein Bild vom Aussehen der jeweiligen Pflanze zu machen empfiehlt Ulrike Schnetzinger folgendes Buch: „Was blüht denn da?“ von Dietmar Aichele und Margot Spohn.
  6. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, um welches Kraut es sich handelt, dann lass es stehen und frage bei der nächsten Gelegenheit einen Kräuterkundigen.

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Über Susanne Nast

Susanne ist Heilpädagogin und Webdesignerin. Ihrer Begeisterung für Wild- und Heilkräuter folgend hat sie 2014 die Website „Der Kräuterzirkel“ entwickelt.
Dort können Kräuterkundige mit kleinen Unternehmen auf ihr Angebot aufmerksam machen und ihr Wissen weitergeben.

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Kommentare

  1. Günter

    21. April 2014

    Ich kann Lehrgänge bei Kräuterkundigen nur empfehlen! Abgesehen davon, dass man bei denen lernt, das „richtige Kraut“ zu erwischen, verbannt man die Eintönigkeit aus der Küche! Die Vielfalt hält Einzug!

    …und gesund ist es außerdem !!!

     

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